Lustige Hochzeitsspiele

Gestern Abend wurde meiner Frau und mir auf der sonst sehr schönen Hochzeitsfeier guter Freunde (vielen lieben Dank auch noch mal an dieser Stelle für die Einladung, wir hatten viel Spaß) deutlich vor Augen geführt, warum wir uns bei unserer eigenen Trauung gegen die Durchführung so genannter Hochzeitsspielchen ausgesprochen hatten. Es wurde unter anderem eine Tombola durchgeführt und als Hauptgewinn winkte angeblich ein „BMW“. Meine Frau und ich erwarben jeweils zwei Lose und aus irgend einem Grund wünschte ich mir zu diesem Zeitpunkt nichts mehr, als bei dieser Ziehung lauter Nieten zu erhalten. Das Auspacken der Lose war für einige der anwesenden Gäste bereits gleichermaßen schwierig wie lustig, waren die Lose doch handgefertigt und mit Klebstreifen gegen unbeabsichtigtes Aufrollen gesichert. Gut gesichert. Irgendwann später wurden dann auch die Preise vergeben, wobei bereits durch einige bekannt gewordene Losbeschriftungen klar aufgezeigt wurde, dass das Niveau der Veranstaltung wohl gerade aufgestanden und in den Keller gegangen war um die Toilette zu besuchen und um sich anschließend mit Selbstmordgedanken tragend durch den Kellerfensterschacht kletternd der Veranstaltung unbemerkt zu entziehen. Wir konnten es dann doch noch einholen und zur Rückkehr überreden (wenn auch nur mit höchstem rhetorischen Aufwand, durch Androhung von Gewalt und schließlich durch Bestechung mit Hochzeitstorte), doch dazu vielleicht später mehr. Eventuell im Februar. Auf den Loszettelchen fanden sich solch grandiose Gewinnversprechungen wie „Lecken von unten“, sitzungshilfe„Sitzungshelfer“, „Erotisch Berührung mit einem Exoten“, aber auch weniger niveaufreie Gewinne wie „Spülmaschine“, oder „Modernes Bild“. Meine Frau hatte das Glück die „erotische Berührung…“ zu ziehen, ich den „Sitzungshelfer“, was sich als „Negerkuss“ und eine Rolle Klopapier herausstellte. „Lecken von unten“ war dann – wie sollte es anders sein – eine Briefmarke und „BMW“ stellte sich als „Brot mit Wurst“ heraus (Das Niveau hatte sich übrigens zu dieser Zeit bereits im Homburger Stadtpark versucht das Leben zu nehmen, mithilfe einer falsch eingestellten Wasserwaage).

Ich bin absolut ungeeignet zur Teilnahme an solchen „Spielen“ und meine Frau – Gottseidank – ebenfalls. Allerdings ist das offensichtlich auch eine Generationenfrage, denn nicht wenige anwesende Eltern, Onkel und Tanten hatten bei gerade diesem Spiel sehr viel Spaß. Ich achte jedoch durchaus, dass Verwandte, Freunde und Bekannte versuchen, diesen Tag zu etwas besonderem zu gestalten versuchen und respektiere das selbstverständlich. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur ein Langweiler. Wie gut, dass ich dazu passend meine „Langweilerin“ geheiratet habe.

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